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Er ist Wirtschaftswissenschaftler und Glücksforscher von der Georg-Simon-Ohm Hochschule Nürnberg.
DW-TV: Herr Ruckriegel, jemand der davor steht seinen Arbeitsplatz zu verlieren, bei dem halten sich Glücksgefühle vermutlich in Grenzen.
Karlheinz Ruckriegel: Es ist bekannt aus der Glücksforschung, dass es ein Schock ist, wenn man seinen Arbeitsplatz verliert. Aber nichts desto trotz, sollte man sich gerade in dieser Situation überlegen, welche Möglichkeiten es gibt, trotzdem wieder Glücksgefühle zu gewinnen.
DW-TV: Welche Möglichkeiten wären das denn? Wo sehen Sie denn Potential?
Karlheinz Ruckriegel: Die Glücksforschung hat ja folgende Faktoren als Glücksfaktoren identifiziert: Soziale Beziehungen, dann Engagement, beispielsweise in Nicht-Erwerbstätigkeiten, Gesundheit, persönliche Freiheit, Spiritualität, Religion und natürlich eine finanzielle Grundabsicherung.
DW-TV: Persönliche Freiheit und die finanzielle Grundabsicherung, die Sie gerade angesprochen haben, das sind ja Teile die stark abhängig davon sind, ob ich einen Job habe oder nicht.
Karlheinz Ruckriegel: Das ist richtig. Aber man muss sich ja erstmal überlegen, welche Möglichkeiten habe ich zunächst einmal. Wenn ich den Job verliere, dann ändern sich die Rahmenbedingungen. Dann muss ich überlegen, wie ich mit diesen geänderten Rahmenbedingungen zurecht komme, so dass ich trotzdem noch einigermaßen glücklich und zufrieden bin. Die nächste Frage ist die, was man machen muss, um gesamtwirtschaftlich das Problem der Arbeitslosigkeit zu lösen. Aber das würde jetzt im Rahmen dieser Glücksüberlegungen zu weit führen.
DW-TV: Wenn das Glück von so vielen Faktoren abhängt, wie Sie es gerade angesprochen haben, wie will man das denn messen?
Karlheinz Ruckriegel: Kommen wir doch noch einmal zurück zu den genannten Faktoren. Erstmal gibt es die Möglichkeit, sich diese Faktoren bewusster zu machen. Und dementsprechend dann zu versuchen, diese Glücksfaktoren stärker zu aktivieren. Hier gibt es beispielsweise ein Projekt der EU-Kommission, die genau diese Sache fördern will. Sie will erreichen, dass in der Erwachsenenbildung Module geschaffen werden, damit man als Mensch aus diesen Aktivitäten mehr Zufriedenheit gewinnt.
Mit der Messung verhält es sich so, dass gängigerweise in diesen Untersuchungen nach der Zufriedenheit auf einer Skala von null bis zehn gefragt wird. Dann kann man sich entsprechend einordnen.
DW-TV: Die Deutschen sind ja unzufriedener als zum Beispiel die Dänen. Das wurde gemessen. Warum ist das so? Wir sind doch sozial nicht schlechter gestellt als Dänemark.
Karlheinz Ruckriegel: Die Zahlen sind ja ziemlich offenkundig. Auf dieser Skala von null bis zehn liegen wir bei ungefähr 6,8. Die Dänen dagegen bei 8. Dafür gibt es einige Gründe. Ein Grund, der angeführt wird ist der, dass in Dänemark das Vertrauen in der Gesellschaft und auch die Gleichheit stärker ausgeprägt sind. Ein anderer Punkt, der mir unlängst in dieser Untersuchung aufgefallen ist, dass wir vielleicht die negativen Ereignisse stärker und die positiven weniger wahrnehmen. Verglichen mit den Dänen beispielsweise.
DW-TV: Ein bisschen mehr Optimismus würde uns Deutschen also gut tun?
Karlheinz Ruckriegel: Auf jeden Fall.
DW-TV: Vielen Dank, Karlheinz Ruckriegel.
(Interview: Anja Heyde)