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"Sie werden ja nicht durch diese Pillen klüger, kreativer oder sonst was. Sie können länger lernen. Wo ist das Problem, wenn sie sich mehr Stoff aneignen können, den sie dann auch zum Beispiel in Prüfungen, für die Sie gelernt haben, tatsächlich mehr Stoff parat haben? Wo kann man das schlecht finden?"DW-TV: Nun, wenn eines Tages mal die Nebenwirkungen im Griff sind, wenn man solche Pillen bekommen kann, ohne dass wir deswegen umkippen, dass uns schlecht wird und so weiter, dann wird doch die Verbreitung dieser Pillen rasant zunehmen. Wie schätzen sie diese Entwicklung ein?
Isabella Heuser: Ja, selbstverständlich wird dann die Verbreitung rasant zunehmen. Ich wüsste nicht, wer es dann nicht nehmen würde, der mit dem Kopf arbeitet.
Was halten sie davon?
Wenn es keine Nebenwirkung gibt, habe ich da nichts dagegen.
Da müsste man vielleicht an Universitäten auch so eine Art Dopingtest erst mal …
Isabella Heuser: Nein, warum denn? Sie werden ja nicht durch diese Pillen klüger, kreativer oder sonst was. Sie können länger lernen. Wo ist das Problem, wenn sie sich mehr Stoff aneignen können, den sie dann auch in, zum Beispiel Prüfungen, aber auch wenn sie dann arbeiten in diesem Gebiet, für dass sie gelernt haben, tatsächlich mehr Stoff parat haben? Wo kann man das schlecht finden?
Ein bisschen ungutes Gefühl habe ich dabei, weil es so viel Chemie ist und pharmakologische Substanzen sind.
Ja, alles ist Chemie, was wir letztendlich in unseren Mund stecken. Auch Biogemüse ist Chemie, wird niedergebrochen in chemische Moleküle. Also, das ist meiner Ansicht nach kein wirklich greifendes Argument. Wenn sie natürlich sagen, das ist doch irgendwie widernatürlich, weil ich alles so aus mir heraus schaffen muss. Meine eigene Kraft muss dafür reichen. Dann kann ich nur sagen, wir Menschen leben jetzt schon in einer unglaublich widernatürlichen Welt: Wir machen abends das Licht an, wenn es dunkel wird, wir heizen, wenn es draußen kalt ist. Wir leben sowieso mit den ganzen Hilfsmitteln, die wir selbst erfunden haben.
Aber zumindest haben wir allen einen ähnlichen Zugang, darauf. Dann müsste man wenigsten sagen, dann wir geben diese Pillen frei und jeder darf Zugang darauf haben, weil sonst ist natürlich die Chancengleichheit nicht mehr gegeben.
Absolut. Also, das sind die zwei Probleme. Das ist sozusagen die Verteilungsgerechtigkeit und wer dafür bezahlt, ja? Und das zweite Problem, was ich fast noch größer ansehe, ist, dass es auch so etwas wie einen Zwang geben könnte, der subtil ausgeübt wird, von z.B. Arbeitgebern, aber auch von, weiß ich nicht, von…
Versicherungen vielleicht?
Professoren, Versicherungen, dass Menschen eben leistungsfähiger werden.
Das heißt, so in dem Sinne, du bist ein bisschen blöd, aber warum tust du denn auch nichts dagegen. Es gibt doch Möglichkeiten.
Genau. Ganz genau. Und das darf nicht passieren.
Das Menschenbild, das dahinter steckt, finde ich ja etwas merkwürdig. Weil eigentlich steckt dahinter ja zu sagen, wir müssen immer schneller werden, immer besser, immer leistungsfähiger. Irritiert sie das nicht?
Nein, das irritiert mich nicht. Weil, wenn sie in die Menschheitsgeschichte zurückblicken - die letzten zweitausend Jahre, wo wir wissen - war der Mensch immer darauf bedacht sich zu verbessern. Immer. Immer. Das scheint ein ganz tief sitzendes Bedürfnis des Menschen zu sein – besser zu werden.
Und stattdessen einfach vielleicht mal eine Pause zu machen, um wieder besser zu werden?
Ja. Selbstverständlich, wenn sie es übertreiben, das geht gar nicht, sie brauchen natürlich diesen Abschwung auch.
Interview: Ingolf Baur